Was also fasziniert uns an Städten - und wie können wir davon sehenswerte Bilder machen?
Bestimmt denkt ihr zuerst an beeindruckende Architektur. Diese Urmutter der Kunst, wie Architektur auch genannt wird, übt stets eine große Faszination auf uns aus. Alleine schon, weil sie das menschliche Maß so weit übersteigt und wir gleichzeitig wissen, dass die Gebäude doch von Menschen geschaffen wurden. Auch fasziniert uns die Infrastruktur in den Städten. Jene Wege, Straßen und Plätze, die Häuser miteinander verbinden und auf dem sich das pulsierende Leben in den Städten auf verdichtetem Raum abspielt. Denn häufig gilt in den Metropolen der Welt: The City never sleeps. Hier vermengen sich Einheimische, Immigranten, Gäste und Touristen und bilden gemeinsam ein buntes Potpourri der Lebendigkeit. Dies ist das Eldorado für Freunde der Straßenfotografie! Jedes der drei gerade genannten Genres hat seinen fotografischen Reiz.
Beginnen wir mit der Architektur, und der Herausforderung, diese eindrucksvoll abzubilden.
Der Größenunterschied von uns Menschen mit einer Augpunkthöhe von etwa 1,6 m und der Höhe der Gebäude macht es beim Fotografieren kniffelig. Der sich dabei meist einstellende optische Effekt wird „stürzende Linien“ genannt.
Important: Stürzende Linien entstehen, wenn ihr die Kamera nach oben oder unten schwenkt. Dieser Effekt ist um so stärker, je näher ihr am Gebäude steht und je weitwinkliger euer Objektiv ist.
Tipp 1: Abhilfe schafft hier, möglichst parallel zum Gebäude zu fotografieren. Wenn ihr also ein Hochhaus mit einigermaßen senkrechten Linien abbilden wollt, solltet ihr von einem benachbarten Gebäude aus mittlerer Höhe fotografieren. Am besten noch mit einigem Abstand und langer Brennweite. Doch dies ist in Städten nur äußerst selten möglich. Versucht hier euer Objekt möglichst mit genügend Umfeld zu fotografieren und korrigiert dann nachträglich in der digitalen Bildbearbeitung die stürzenden Linien.
Tipp 2: Diese Art der optischen Verzerrung ist uns aber auch so bekannt, dass unser Auge dies akzeptiert, und es sogar eine eigenwillige Dramatik in euer Bild hinein zaubern kann. Man nennt es auch die „Froschperspektive“:
Tipp 3: Eindrucksvolle Motive wirken noch beeindruckender, wenn sie symmetrisch aufgebaut sind.
Dieses Foto der Skyline von Toronto ist ein wenig um die Ecke gedacht. Symmetrie in der Architektur ist normalerweise, wenn sich die linke und die rechte Bildhälfte sehr ähnlich sehen und um die imaginäre senkrechte Mittelachse gespiegelt erscheinen. Bei dem oberen Bild ist diese Symmetrieachse nicht die Senkrechte, sondern die Waagerechte, die tatsächlich durch eine Spiegelung im Wasser für Symmetrie sorgt, und damit für Klarheit und Prägnanz in der Aufnahme.
Hier noch ein Beispiel für eine symmetrische Architekturaufnahme, ganz ohne Spiegelung:
Important: Symmetrie ist wohl auch deswegen so beliebt und eingängig, da unsere Wahrnehmung hier schneller den Bildinhalt erfassen kann. Unser auf Mustererkennung ausgelegtes Hirn liest quasi die eine Bildhälfte und multipliziert sie in ihrer Bedeutung mit dem Faktor Zwei.
Die Parks, Plätze, Straßen und Wege sind die öffentlichen Bühnen, auf denen sich das Leben einer Stadt abspielt. Dort bewegen sich die Menschen in den städtebaulich vorgegebenen Möglichkeiten. Und diese sind oftmals sehr viel reizvoller, als das blasse Wort Infrastruktur vermuten lässt. Genau diesen Wegen und Richtungen spürt unser fotografisches Auge hinterher und nutzt es für spannende Aufnahmen.
In dem oben gezeigten Bild seht ihr gleich mehrere fotografische Raffinessen. Zum einen ist ein Warm-Kalt-Kontrast eingefangen: die warme Farbe der Arkaden-Beleuchtung kontrastiert spannend mit der kühlen Farbe der Fassade. Zum anderen erhöht die Bewegungsunschärfe im rechten Bildteil unsere Aufmerksamkeit, denn die Szene bekommt etwas Cineastisches. Der dritte Kniff ist die Führung des Betrachters durch die leichte Diagonale, die das Bild dynamisiert.
Tipp 4: Diese bildgestalterische Regel nennt man „führende Linien“. Durch solche Linien im Bildaufbau lenkt man das Auge durch das Bild oder in das Bild hinein. Dies seht ihr besonders schön an dem unten gezeigten Bild aus Porto City. Die sitzende Frau ist der erste Blickfang. Doch die diagonal in das Bild hineinführende Brücke bildet solch eine führende Linie und zieht unser Auge in die Tiefe dieses Bildes:
Die Straßen sind die Bühnen der Stadt. Und jeder Einwohner, jeder Gast spielt dort seine eigene Rolle! Hier ist das Fotografieren von fremden Personen ebenso spannend wie herausfordernd. Ob es ein Bayer in Lederhosen ist oder ein Balinese in seiner Tempelschärpe, beachtet bitte bei eurer Straßenfotografie immer die Würde der Menschen und das Urheberrecht am eigenen Bild. Dies ist allerdings in den einzelnen Ländern sehr unterschiedliche geregelt. Ein Blick vor dem Klick in die landesüblichen Regelungen ist dabei ratsam.
Tipp 5: Unverfänglich sind solche Straßenaufnahmen von belebten Plätzen, bei denen zumindest in Deutschland die einzelne Person rechtlich als Beiwerk gilt:
Important: Um hier den sich schnell verändernden Situationen fotografisch folgen zu können, solltet ihr auf die automatische Belichtungseinstellung eurer Kamera vertrauen. Auch das Scharfstellen wird von modernen Kameras meist recht ordentlich gemeistert, sofern sich das Hauptmotiv in der Mitte des Suchers befindet.
Ein Städtetrip macht bestimmt am meisten Freude, wenn die Temperaturen genau richtig sind, das Licht exakt die richtige Farbstimmung hat und kein städtischer Dunst die Sicht trübt. Aber was, wenn das nicht der Fall ist? Dann macht das Beste aus dem, was ihr vorfindet. Denn die äußeren Wetterbedingungen können euch zu besonderen Motiven und Bildern führen:
Bestimmt ist dies ein ausdrucksstarkes Foto, das so ohne Regenschauer niemals zustande gekommen wäre.
Tipp 6: Nutzt jedes Wetter und jedes Licht als Ansporn und Chance zu besonderen Fotos. Häufig werden wir durch besondere Herausforderungen besonders kreativ. Mit guter Vorbereitung, um sich selbst und die Kameraausrüstung zu schützen, entstehen so, neben dem besonders eindrucksvollen Foto, auch die abenteuerlichsten Reisegeschichten.
Bei der Wahl eures Städtetrips haben euch bestimmte Interessen geleitet und euch letztendlich in diese eine Stadt geführt. Und nun? Wo sind die so begehrten Fotomotive, dort wo die attraktiven Fotos aus dem Reiseführer entstanden sind? Um eure kostbare Reisezeit möglichst effektiv einzusetzen, empfehlen wir, euch bereits vorher nicht nur nach den Sehenswürdigkeiten der Stadt zu erkundigen, sondern gezielt schon vor der Reise nach den besten Standorten für eure Fotos Ausschau zu halten.
Tipp 7: Recherchiert in einer Internetsuchmaschine in der von euch gewählten Stadt nach dem Suchbegriff Fotospot. Nun habt ihr die Möglichkeit, schnell und bequem die sehenswerten Anregungen für interessante Locations zu entdecken und erspart euch später viel Lauferei in der noch unbekannten Stadt.
Und wenn ihr mit tollen Bildern zurück seid, gönnt euch doch ein paar ausgewählt schöne Städtefotografien als Foto auf Leinwand!
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Euer Team von MEINFOTO