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Out of focus – Experimente mit der Schärfe

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Wenn ihr gerade denkt, ihr hättet die Brille verlegt, können wir euch beruhigen. Die Fotos in diesem Artikel werden auch mit Brille nicht schärfer. Denn es geht uns hier mehr um fotografische Gefühls- statt um Schärfentiefe. Wir sind gewohnt auf Fotos scharfe Konturen vorzufinden. Die unscharfen Bereiche bilden dann meist den Hintergrund. Ob dies immer so sein muss, erkunden wir hier und fragen euch hintergründig, ob das Vordergründige im Scharfen nicht auch mal unscharf sein darf.

In einem Bild wird gewohnheitsmäßig unsere dreidimensionale Welt mit den Mitteln der Fotografie zweidimensional abgebildet. Unser Auge und unser Kopf interpretieren führende Linien als Perspektive, es werden Vordergrund und Hintergrund voneinander getrennt und das Hauptmotiv herausdestilliert. So ist unser Hirn ganz schön damit beschäftigt uns die schöne Ästhetik eines Bildes schmackhaft zu machen.

Dies funktioniert auch ganz ohne Fokus. Manchmal sogar besser. Dann nämlich, wenn wir weniger analytisch, sondern mehr im Gefühl, in der Empathie mit dem sind, was es da zu sehen und zu erleben gibt.

Unschärfe erhöht die Aufmerksamkeit beim Betrachter

Diese kühne These wollen wir euch gerne an den beiden folgenden Fotos hier erläutern.

Hier sehen wir eine Business-Aufnahme einer Menschengruppe:

Gruppe junger Anzugträger

Dieses Bild betrachten wir und es dauert nicht lange, da setzt unser Verstand ein und analysiert es: 2 Frauen, 4 Männer, Anzugträger, Business People, Generation X, Y, Z.

In der gleichen Aufnahmesession entstand diese bewusst unscharf verfasste Fotografie:

Unscharfes Foto einer Gruppe junger Anzugträger

Was seht ihr hier? 6 menschliche Wesen. Business People? Schwer zu sagen. Solisten oder zusammenfließende Gemeinschaft? Lichtwesen? Schaufensterpuppen oder Aliens? Unsere Aufmerksamkeit wird durch die Unschärfe erhöht, da wir neugierig sind auf die Entschlüsselung des kreativen Bilderrätsels.

Important: Je weiter ihr euch in der Unschärfe vorwagt, desto mehr könnt ihr die Fantasie eurer Bildbetrachter anregen. Aber es ist eine eigene Kunst, die passenden Motive dafür zu entdecken. Denn diese sind erst einmal unter der Schärfe der Realität verborgen.

Fantasie unter dem Giebel

Auch bei diesem Foto hier unten darf unsere Fantasie fließen. Das Motiv zeigt hinter der bewussten Unschärfe ein Haus im alpenländischen Stil. Duftig und luftig umspielt das Licht den Giebel. Das untere Stockwerk verliert an Schwere und trägt Wolken-gleich das archaisch geformte Hausdach.

Unscharfes Foto eines Hauses

Hättet ihr dieses Haus mit Autofokus anvisiert und mit korrekter Belichtung auf den Kamerachip gebannt, hättet ihr bestimmt eine schöne Erinnerungsaufnahme von diesem Ausflug mit nach Hause genommen, vielleicht aber eben auch nicht mehr.

Licht wird lichter

Eines der schönsten bildgestalterischen Mittel in der Unschärfe ist der sog. Bokeh-Effekt. Das Bokeh, aus dem japanischen 暈け meint unscharf, verschwommen. Es ist eigentlich ein optischer Effekt, der durch das Objektiv entsteht und diese Lichtkreise auf den Kamerachip zaubert. Da dieser Effekt bei Fotografen so sehr geschätzt wird, gibt es eigens dafür Objektive, welche von ihrer Bauart her ein besonders schönes Bokeh zustande bringen:

Bokeh Effekt im Wald

Dieser Wald braucht keine Schärfe, denn hier ist das Licht der Star! Wie hell leuchtende Laternen schmückt das Bokeh den Wald und lässt das Licht noch lichter strahlen. Das Auge darf sich, dank der durchgängigen Unschärfe, getrost ungestört an der stilistisch durchgängigen Abbildung des Motivs erfreuen.

Important: Speziell bei Gegenlichtaufnahmen werden die einzelnen Lichtstrahlen und deren Brechung am Motiv in diese wunderschönen Lichtkreise verwandelt. Je offenblendiger euer Objektiv dabei ist, desto deutlicher und dekorativer wird das Bokeh.

Bewusste Unschärfe durch Bewegung

Bisher haben wir fotografische Unschärfe erzeugt durch ein bewusstes Unscharf stellen unserer Aufnahmeoptik. Wir haben also unsere so perfekt arbeitende Kameraautomatik außer Kraft gesetzt und uns auf das Feld der manuellen Einstellungen gewagt.

Um mit Unschärfe zu experimentieren, gibt es einen weiteren Weg, den ihr gehen könnt. Auch hier soll die Kamera tun, was ihr wollt, anstatt ihrer inneren Programmierung zu folgen. Wir verlängern dabei die Belichtungszeit. Bei einer längeren Belichtungszeit werden die Konturen nicht mehr scharf abgebildet, sondern sehen schemenhaft, verschwommen aus.

Hier ist euerExperimentierwille gefragt. Denn oftmals wünschen wir uns beim Blick durch den Sucher schon das fertige Bild zu erblicken. Dies glückt manchmal, manchmal sind wir aber auch vom tatsächlichen Resultat auf unserem Kamerachip positiv überrascht.

Seneca, ein römischer Philosoph um Christi Geburt, sagte dazu: „Glück ist, was passiert, wenn Vorbereitung auf Gelegenheit trifft“. Lasst also euer Auge die Bildidee vorbereiten und das Glück entscheiden, ob euch eine sehenswerte Aufnahme gelingt. Diese Tänzerinnen hier sind ein schönes Beispiel dafür, welch ästhetisch und fließender, kreativer Ausdruck in deine Bilder einziehen kann, wenn ihr dafür der Kamera die Chance gebt. Die Bildaussage ist hier selbst ein Tanz. Die Bewegung fließt mit der (Belichtung-)Zeit und lässt vor unserem Auge einen kinematischen Eindruck der Tanzszene entstehen:

Tänzer in Bewegung

Auch bei dem unten gezeigten Foto hat der Fotograf sich dem Glück, dem Zufall, oder einfach der vitalen Bewegung der Koi-Fische anvertraut und dieses dynamische Bild erhascht. Ihr könnt dabei förmlich die Dynamik der Fischkörper im Wettbewerb um das Futter erahnen. Die gleichmäßige Verteilung der verschiedenfarbigen Schuppenkleider zeigt dabei auf, dass keine der Arten im Futterkampf bevorzugt wird. Hier kann man getrost von Storytelling sprechen.

Important: Mit Bewegungsunschärfe fotografiert verlässt das Foto die Statik des zweidimensionalen Bildes und erzählt von den lebendigen Zusammenhängen zwischen den Protagonisten. Beim Tanz erahnen wir die Richtung und Dynamik der Bewegung, genauso wie hier beim Ringen um das Futter im Fischteich. Eine bewegte Geschichte wird bewegend erzählt mit nur einem einzigen Bild.

Fische in einem Teich

Blurred Lady

Der englische Begriff blur meint verwischen oder verwaschen und findet sich in der englischen Fotografensprache in Motion blur, der Bewegungsunschärfe oder Blur effect als Unschärfe-Effekt wieder. Auch gibt es den Begriff des Blur of tears, was mit Tränenschleier übersetzt wird. Und dies hat auch etwas mit dem untenstehenden Bild zu tun. Die Unschärfe lässt nämlich Raum für Interpretationen zu. Sie regt unsere Fantasie an. So wissen wir bei diesem blurred picture nicht, ob die darauf abgebildete Frau lacht oder weint. Wir wissen nicht einmal mit Bestimmtheit, ob sie in das Bild hinein geht oder auf uns zukommt. Wir haben einen Ermessensspielraum und sehen, was uns gefällt.

Frau spaziert im Wald

Important: Eindeutige, scharf fokussierte Fotos legen in uns die Vermutung einer Abbildung der Realität nahe. Bewusst unscharfe Fotos hingegen wirken malerisch und eröffnen einen Interpretationsspielraum beim Betrachter, den er mit eigenen Assoziationen füllen kann.

Die Rhythmik im Bokeh

Bewusst verfasste Unschärfe im Bild führt auch zu einer Abstraktion der dargestellten Szene.

Je nach dem Grad der verschwommenen Formen suchen wir nach weiteren Anhaltspunkten, um den Bildinhalt zu identifizieren. In diesem Bild ist die sich bewegende Menschenmenge gut zu erkennen. Vielleicht ist es in New York im Sommer, auf der 52nd Street.

Menschengruppe

Doch wir erkennen nicht die einzelnen Menschen, nicht ihre Mimik, die uns Auskunft geben könnte über das Befinden oder die Absicht der abgebildeten Fußgänger. So sucht unser Auge weiter und findet Halt im Licht. Das wunderbare Streiflicht auf den Köpfen ziert, ähnlich wie Gischt die Wellen, die menschlichen Häupter. Wir können im Rhythmus der Lichtwellen schwelgen und genießen gut gelaunt dieses Bild, ohne nur ein einziges Gesicht deuten zu müssen.

Wir wünschen euch bewusste Momente der Unschärfe, viel Freude am Experimentieren und an eurem erweiterten Foto-Stil. Die gelungensten Bilder können dann wieder mittels Wanddruck in deine Fotogalerie aufgenommen werden.

Wir lesen uns!

Euer Team von MEINFOTO

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