Im letzten Teil haben wir uns ausgiebig mit der Wirkung von Licht und Schatten auf deine Bilder befasst, diesmal gehen wir mit Anleitungen zum Bau eines Reflektors, einer Gegenlichtblende und der Erläuterung der gängigsten Filtertypen noch einen Schritt weiter in Richtung eures perfekten Fotos.
Wenn ihr am Ende unsere kleine „Einführung in die MEINFOTOgrafie“ durchgearbeitet habt, wisst ihr genau, wie ihr euer nächstes Bild komponieren, ausleuchten und scharfstellen müsst, um exakt den Effekt zu erzielen, den ihr euch wünscht. Aber bis dahin stehen euch noch ein paar Zeilen und Bilder bevor, lasst uns also loslegen! Heute beginnen wir mit einer schnellen Anleitung zum Bau eines Reflektors. Das lockert die oft doch sehr verwirrend technische Sprache mal etwas auf und gibt dem Kopf ein bisschen Freiheit, schonmal nach dem nächsten Motiv zu forschen. Los geht’s!
Ob Anfänger oder Fortgeschritten – dieser Tipp ist wirklich jedem ans Herz zu legen und schnell gemacht:
Je nachdem wie Licht fällt, wirft es Schatten. Diese Schatten sind oft viel dunkler als die direkt beleuchteten Stellen und lassen sich wunderbar mit einem DIY Reflektor aufhellen. Wenn ihr euch selbst keinen Reflektor basteln möchtet, könnt ihr euch natürlich auch einfach einen kaufen. Für Heimwerker haben wir allerdings eine kleine Anleitung parat:
Step 1: Zuerst besorgt ihr euch goldene Alu-Folie im Bastelladen, die silberne gibt es im Supermarkt. Als Papp-Untersatz empfehlen wir ein altes Paket, ihr könnt natürlich auch jedes andere Stück Pappe verwenden und später ggf. einfach zusammen klappen – damit ist es handlicher und besser für den Transport geeignet.
Step 2: Jetzt schneidet ihr die Alu-Folie auf Größe eurer Pappe zu und verklebt sie danach fest mit Klebstoff. Ihr könnt das Ganze zusätzlich am Rand mit Tesafilm fixieren, so hält die Folie auf jeden Fall.
Auf die „Rück“-Seite könnt ihr dann die jeweils andere Folie kleben. Silber ist besser für Indoor-Sessions mit Blitz geeignet, Gold wird vor allem draußen bei natürlichem Licht genutzt.
Und das wars eigentlich auch schon, euer selbstgemachter Reflektor ist fertig.
Beim nächsten Bild sieht man sehr gut, das durch den Reflektor das komplette Gesicht gut ausgeleuchtet ist – ohne, dass das Hauptlicht zu hell ist.

KURZ UND KNAPP: Reflektoren hellen Schatten nur auf, verschwinden lassen können sie sie nicht – das reflektierte Licht hat nämlich einen anderen Farbton. Wird das reflektierte Licht zu stark, sieht es meist nicht mehr gut aus.
Ihr wollt indoor fotografieren und habt schlechtes Licht? Dann ist die beste Anschaffung – neben einem Reflektor – eine Tageslichtlampe. Theoretisch könnt ihr dafür in jede beliebige Lampe eine Tageslicht-Glühbirne eindrehen oder euch einfach direkt eine richtige Studiolampe (teuer) kaufen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Glühbirnen machen Tageslichtglühbirnen kein gelbes Licht, sondern das eher bläuliche Licht, dass an Tageslicht erinnert.
Die Lampe platziert ihr dann am besten in einigem Abstand von eurem Motiv, sodass keine zu harten Schatten geworfen werden, aber immer noch genug Licht ankommt.

Bei einem Kompendium, auch Gegenlichtblende genannt, handelt es sich um einen trichter- oder röhrenförmigen Objektivvorsatz der die Frontlinse des Objektives vor seitlich auftreffendem Licht abschirmen soll.

Mit einem Kompendium könnt ihr also verhindern, dass Licht seitlich in die Linse fällt. Dadurch minimiert ihr das Risiko optischer Überlagerungen im Linsensystem (z.B. Lichtsäume in Form von Ringen oder Kreisen, den so genannten Lens Flares). Das einfallende Streulicht kann auch dazu führen, dass Bilder oder Videos kontrastarm und farblos wirken. Daher solltet ihr bei euren Aufnahmen immer ein Kompendium oder zumindest einen Sonnenschutz benutzen, um solche Beeinträchtigungen zu vermeiden. Wie ihr euch leicht selbst einen bauen könnt, erklären wir weiter unten.
Der Begriff "Gegenlichtblende" ist übrigens eher missverständlich, da man das Linsensystem selbstverständlich nicht gegen frontal einfallendes Licht, dem Gegenlicht, schützen kann. Dieses Licht befindet sich im fotografischen Strahlengang des Objektivs, welcher jedoch immer freigehalten werden muss.
Gegenlichtblenden gibt es als separates Zubehör in Form von festen Tuben aus Metall oder Kunststoff und als faltbare Gummiblenden. Einige Objektivhersteller integrieren die Gegenlichtblende ausziehbar direkt in das Objektiv oder liefern mit ihren Objektiven spezifisch gefertigte aufmontierbare Blenden mit.
Die Geometrie der Gegenlichtblende hängt vom Bildwinkel des Objektivs -und vom Durchmesser der Frontlinse ab. Ein Objektiv mit kleinem Bildwinkel benötigt eine längere Gegenlichtblende als ein Objektiv mit großem Bildwinkel. Die falsche Wahl der Gegenlichtblende führt entweder zu einer verringerten Schutzwirkung oder zu Vignettierung.
Als Vignettierung (frz. Vignette „Randverzierung“, „Abzeichen“) bezeichnet man in der Fototechnik eine Abschattung zum Bildrand hin, die durch eine axiale Anordnung zweier Öffnungen hervorgerufen wird. Man kann Vignetten natürlich auch absichtlich benutzen, z.B. um den Effekt eines Blickes durch ein Fernglas zu erzielen.
KURZ UND KNAPP: Lichtquellen oder andere Reflexionen, die innerhalb des Bildfeldes entstehen, können nicht durch ein Kompendium verhindert werden. Außerdem hat das Kompendium bei Gegenlichtaufnahmen, wie beispielsweise einem Sonnenuntergang, keine Wirkung.
Für unseren Bauvorschlag benötigt ihr nicht viel. Das Grundmaterial ist schwarzes, elastisches PE-Plastik ca. 0,5mm stark. Aber woher nehmen, wenn nicht stehlen? Bevor ihr euch jetzt eingehend mit Materialkunde in Sachen Plastik befasst, solltet ihr erst einmal einen Blick auf eure alte VHS-Sammlung werfen.
Diverse Kassettenhersteller haben nämlich seinerzeit ihre Leerkassetten in schwarzen Kunststoffhüllen angeboten. Wenn ihr noch eine solche Hülle besitzt, könnt ihr direkt mit dem Bau eurer neuen Gegenlichtblende beginnen.
Alternativ nehmt ihr einfach übriggebliebene Bewerbungsmappen oder Schnellhefter aus ähnlich festem PE Plastik, wobei ihr hier ebenfalls nach schwarzem Material gucken solltet. Nur das ist optimal lichtdicht.
Kassettenhülle: Öffnet zunächst die Hülle an den seitlichen Klebe- oder Schweißnähten. (sollte leicht gehen, ansonsten einfach aufschneiden). Entfaltet das Plastik und schneidet es an einer der beiden langen Seiten gerade ab.
Kunststoffmappe: Schneidet entsprechend in der gewünschten Breite – je nachdem wie tief euer Sonnenschutz sein soll – einen Streifen passend zu.
Mit schwarzem Gaffer-Tape könnt ihr die Form des Sonnenschutzes optimal anpassen. Wenn ihr dann euren Zylinder oder Kegel geformt habt, könnt ihr diesen einfach über das Objektiv schieben.
Filter sind transparente oder lichtdurchlässige optische Elemente und beeinflussen das auf die Optik eintreffende Licht in vielfältiger Weise. Je nach Art können sie auf Kontrast, Schärfe, Farbe und Intensität Einfluss nehmen und in professionellen Kompendien auch miteinander kombiniert werden.

Wie viel Licht ein Filter „verbraucht“, gibt der Filterfaktor an. Dieser stellt einen Multiplikationsfaktor des Wertes da, der ohne Filter gemessen wurde. Beispiel: Hat ein Filter den Faktor 2, bedeutet das, dass mit Filter doppelt so viel Licht auf den Film gelangen muss, wie ohne Filter, um eine korrekte Belichtung zu bekommen.
Da die Filter in unmittelbarer Nähe des Objektives angebracht werden, sollte man hochwertige Glasfilter verwenden und genau wie beim Objektiv darauf achten, dass sich keine Fingerabdrücke oder Staub auf dem Filter befinden.
nehmen die UV-Anteile heraus und führen damit zu einer natürlicheren Farbwiedergabe. Filmmaterial und Videosensoren haben meist eine höhere Empfindlichkeit gegenüber UV-Licht als das menschliche Auge. Das kann unter bestimmten Umständen zu einer veränderten Farbwiedergabe führen, z.B. in Schneegebieten, Höhenlagen oder am Meer kann es zu einer verstärkten Blauwiedergabe kommen.
steuern die Helligkeit, verändern das Farbspektrum aber nicht. Es gibt sie in unterschiedlichen Dichten. Ein ND 0,6-Filter reduziert die Helligkeit um zwei Blenden, ein ND 0,3 um eine Blende.
verbessern den Farnkontrast und sind geeignet, Reflektionen auf Glas oder anderen glatten Oberflächen verschwinden zu lassen. Der Farbkontrast wird verbessert, indem der Polfilter Streulicht herausfiltert. Das bewirkt reinere, gesättigtere Farben. Auch Polfilter schlucken Licht, ungefähr ein bis zwei Blenden.
kommen z.B. in Form von Filterfolien zum Einsatz, um die Farbtemperatur von Mischlicht zu korrigieren. Die Folie wird z.B. vor dem Scheinwerfer oder flächig vor Fenstern befestigt.
dunkeln Teile des Bildes ab oder färben es ein. Sternfilter zum Beispiel werden ab und zu im Showbereich verwendet.
Einen Filter könnt ihr auf unterschiedlichen Wegen vor eurer Linse anbringen. Manche könnt ihr direkt auf das Objektiv schrauben, andere müssen mit einer speziellen Vorrichtung montiert werden. Wir haben euch die populärsten Methoden zusammengetragen.
Diese Filter werden direkt vorne an das Objektiv geschraubt. Verschiedene Kamera Filter fallen in diese Kategorie. Die am häufigsten genutzten allerdings sind Polarisations-, ND- und Farbfilter. Meist unterscheiden sie sich in Dicke und Durchmesser.
Aber Achtung: Zu dicke Aufschraubfilter können eine Vignette erzeugen.
Einsteckfilter werden vor allem für Teleobjektive benutzt. Diese Objektive haben meist größere Köpfe und können nicht immer mit gewöhnlichen Aufschraubfiltern benutzt werden. Wie der Name schon sagt, steckt ihr hier die Filter in ein spezielles, kleines Fach.
Diese Kamera Filter lassen sich mit einem Filterhalter nutzen. Dieser wird am vorderen Ende des Objektivs befestigt. Dann braucht ihr nur noch Adapter für euren Filterhalter, um einen oder mehrere Filter in verschiedenen Größen zu nutzen. Diese Filter kommen oft in der Landschaftsfotografie zum Einsatz.
Bei Landschaftsfotografen ebenfalls beliebt: der rechteckige Kamera Filter. Dieser wird ebenfalls mit einem Filterhalter montiert. Ein rechteckiger Filter lässt euch mehr Bewegungsfreiheit, ohne Ungleichmäßigkeiten zu riskieren. Die populärste Größe ist 100x150mm, kleinere und größere Filter sind aber auch zu haben.
KURZ UND KNAPP: Die Benutzung eines Filters zieht fast immer einen Lichtverlust nach sich.
Und? Habt ihr mit eurem neuen Wissen schon ein paar neue Motive einfangen können? Dann wird es Zeit für einen Ehrenplatz! Vielleicht als Foto hinter Acryl über eurer Couch?
Jetzt haben wir so viel über Licht geredet und sind doch noch nicht am Ende. Im nächsten Teil wollen wir auf das Stilmittel Licht eingehen – und ein paar Tricks und Effekte näher betrachten, mit denen ihr euren Bildern richtig Action geben könnt. Stay tuned und:
Wir lesen uns!
Euer Team von MEINFOTO