Nachdem wir uns im letzten Blogpost mit der Schärfentiefe – oder eben: Tiefenschärfe beschäftigt haben, wollen wir uns im Folgenden den Auswirkungen von Brenn- und Gegenstandsweiten sowie Blende, Belichtung, ISO und Gegenstandsweite auf euer MEINFOTO und die Schärfentiefe widmen. Dazu gehen wir auf die Besonderheiten dieser Modi ein und erläutern ihre Funktionsweise:
Die Brennweite beschreibt in Millimetern den Abstand zwischen eurem Objektiv und dem Aufnahmebereich, in dem parallele Strahlen hinter der Linse in einem Punkt gebündelt werden. Bei großer Brennweite vergrößert sich euer Motiv, während sich der Bildwinkel zu einem kleineren Bildausschnitt reduziert. Genau anders herum ist es folgerichtig mit einer kleinen Brennweite. Das Spiel könnt ihr mit Weitwinkel- und Tele-Objektiven noch etwas weiter treiben. Objektive mit Brennweiten zwischen etwa 45 und 55 mm vermitteln einen Bildausdruck, der natürlich, harmonisch, aber durchaus auch langweilig wirken kann.
Wir haben also drei Hauptkategorien von Objektiven, die wir nach ihren unterschiedlichen Brennweiten einteilen können:
Die hier mitgenannten Bildwinkel sind wichtig für die Auswahl eures Equipments, denn je kürzer die Brennweite, desto größer der Bildwinkel und umgekehrt. Demnach besitzen eure Weitwinkelobjektive eine sehr kurze Brennweite, während eure Teleobjektive eine sehr große Brennweite haben.
Den Abstand zwischen der bildseitigen Hauptebene und dem bildseitigen Brennpunkt nennt man Bildseitige Brennweite oder Objektivbrennweite.
Die Hauptebene ist eine unsichtbare Ebene vor oder hinter der Linse, ab der Entfernungen zum Motiv, Bild und den Brennpunkten gemessen werden. Eine Linse und ein Objektiv haben zwei Hauptebenen: Eine Bildseitige und eine Gegenstandsseitige.
Brennweite: Von der Gegenstandsseite links parallel auf die Sammellinse zulaufende Lichtstrahlen werden darin gebrochen und auf der Bildseite im Brennpunkt vereinigt. Der Abstand von der bildseitigen Hauptebene bis zum Brennpunkt ist die bildseitige Brennweite, die bei allen Objektiven angegeben ist.


KURZ UND KNAPP: BRENNWEITE UND SCHÄRFENTIEFE. Je kürzer die Brennweite, desto größer die Schärfentiefe – je länger die Brennweite, desto geringer die Schärfentiefe. Das heißt: Weitwinkelobjektive besitzen eine sehr große Schärfentiefe, Teleobjektive eine eher geringe.

Die Blende – auch Iris genannt, ist eine verstellbare Öffnung am Kameraobjektiv und regelt dort, wie viel Licht hineinfällt. Der Einfall der Lichtstrahlen wird durch Vergrößern oder Verkleinern der Blendenöffnung – bestehend aus kreisförmig vor der Linse angeordneten Lamellen – kontrolliert. Eine sehr kleine Blendenöffnung lässt wenig Licht hindurch, eine große Öffnung demzufolge viel. Ein Film besitzt eine beschränkte Lichtempfindlichkeit. Das Maß dieser Lichtempfindlichkeit nennt man „relative Lichtstärke“ und sie ergibt sich aus dem Verhältnis der Länge des Objektivs zu seinem Öffnungsdurchmesser. Das Ergebnis dieser Formel sind die Blendenzahlen:
f1 - f1,4 - f2 - f2,8 - f4 - f5,6 - f8 - f11- f16 - f22 (f steht für focus, also Brennweite)
Jede Stufe in dieser Reihe lässt halb so viel Licht durch wie der Vorgänger, das heißt eine Blende f1 ist doppelt so groß wie f1,4 und f2,8 lässt viermal so viel Licht durch wie f5,6. Spricht man von einem Objektiv der Lichtstärke 2,8 ist dies die maximale Blendenöffnung.

KURZ UND KNAPP: BLENDENÖFFNUNG UND SCHÄRFENTIEFE
- Je kleiner die Blendenöffnung, desto größer die Blendenzahl, desto weniger Lichteinfall, desto größer die Schärfentiefe.
- Je größer die Blendenöffnung, desto kleiner die Blendenzahl, desto mehr Lichteinfall, desto geringer die Schärfentiefe.
Blende und Belichtungszeit bestimmen gemeinsam, wie viel Licht auf den Sensor fällt – also verantworten sie die Belichtung eines Bildes. Die Blende haben wir im letzten Abschnitt besprochen, kommen wir jetzt zur Belichtungszeit. Die bestimmt nun, wie lange die Linse geöffnet bleibt. Je länger der Verschluss geöffnet ist, desto mehr Licht kommt hinein. Und anders herum.
Mit Hilfe einer kurzen Belichtungszeit könnt ihr Bewegungen einfrieren. Wie schnell die Belichtungszeit dafür sein muss, hängt natürlich davon ab, wie schnell das Motiv sich bewegt. Die Bewegung eines Spaziergängers könnt ihr mit einer Verschlusszeit von 1/100 Sekunde einfrieren. Den Sprung eines Delphins werdet ihr bei dieser Belichtungszeit wohl kaum erwischen. Mit einer langen Belichtungszeit könnt ihr im Umkehrschluss dann Bewegungsunschärfe erzielen.

Ohne Stativ führen längere Belichtungszeiten unweigerlich irgendwann zu Wacklern. Es gibt aber eine einfache Grundregel, die ihr anwenden solltet, wenn ihr Fotos aus der Hand schießt: Die Belichtungszeit darf nicht länger als der Kehrwert der Brennweite sein. Wenn ihr also bei einer Brennweite von 100 mm ein Bild aufnehmt, darf die Belichtungszeit nicht länger als 1/100 Sekunde sein; kürzer allerdings schon (z. B. 1/200 oder 1/400 Sekunde).
KURZ UND KNAPP: DIE BELICHTUNG. Die Dosis macht das Gift. Trifft zu viel Licht auf den Sensor, ist das Bild überbelichtet. Trifft zu wenig auf, ist es unterbelichtet. Mit einer lange Belichtung könnt ihr Bewegungsunschärfe erzeugen.
Mit dem ISO Wert misst man die Lichtempfindlichkeit eines Sensors oder Films. Erhöht ihr den ISO-Wert beispielsweise von ISO 200 auf ISO 400, verdoppelt sich damit auch die Lichtempfindlichkeit des Sensors und die ursprünglich notwendige Belichtungszeit verkürzt sich von 1/30 Sekunde auf 1/60 Sekunde.

Der ISO-Wert ist Teil des sogenannten Belichtungsdreiecks: Blende, Belichtungszeit und ISO-Wert stehen nämlich in einem unmittelbaren Zusammenhang. Sobald ihr einen dieser Werte ändert, nimmt das Einfluss auf die beiden anderen.
Der eingestellte ISO-Wert beeinflusst maßgeblich die Bildqualität in folgenden Bereichen:
Bildrauschen, Kontrast, Farbsättigung und Schärfe
Je höher ihr den ISO-Wert treibt, desto stärker leiden die Bilder unter den Folgen: Bildrauschen, schlechter Kontrast, geringere Farbsättigung und mangelnde Schärfe sind das Ergebnis. Niedrigere ISO-Werte weisen ein geringes, bzw. gar kein Bildrauschen auf und haben dadurch eine wesentlich bessere Detailauflösung. Sie glänzen darüber hinaus mit hervorragendem Kontrast und einer guten Farbsättigung.
Der Sensor besteht aus Tausenden von lichtempfindlichen Dioden. Trifft Licht auf diese Dioden, wird es in elektrische Spannung umgewandelt. Je heller es ist, desto mehr Spannung wird aufgebaut. Wird der ISO-Wert also angehoben, entsteht eine erhöhte dauerhafte Grundspannung, die bei zunehmender Dunkelheit verstärkt sichtbar wird und sich in den beschriebenen Nachteilen äußert. Im Idealfall solltet ihr also immer mit dem niedrigsten ISO-Wert, in der Regel ISO 100, fotografieren.
KURZ UND KNAPP: DER ISO-WERT. Hier ist mehr weniger. Je höher der ISO-Wert, desto stärker sind Bildrauschen, Kontrast, Farbsättigung und Schärfe.
Die Gegenstandsweite bezeichnet den Abstand vom fotografierten oder gefilmten Objekt zum Linsenmittelpunkt. Dabei spricht man auch von Fokussierter Entfernung.
KURZ UND KNAPP: GEGENSTANDSWEITE UND SCHÄRFENTIEFE. Für eine möglichst geringe Schärfentiefe sollte der fokussierte Abstand groß halten werden. Das heißt, die Größe des Abstands zwischen Gegenstand und Kamera sollte eine lange Brennweite nötig machen, um das Objekt wieder „heranzuholen“. Damit verringert sich automatisch die Schärfentiefe. Nah am Gegenstand wird allerdings eine hohe Schärfentiefe erzielt.

Übrigens!
Nicht nur die bis hier hin vorgestellten Faktoren nehmen Einfluss auf die Schärfentiefe. Ist euch vielleicht schonmal aufgefallen, das Bilder in Kinofilmen meist eine sehr geringe Schärfentiefe haben? Nehmen wir einmal folgendes Bild – das zwar nicht aus einem Kinofilm stammt, aber die gleichen Voraussetzungen erfüllt – als Beispiel:

Während der Fokus nur auf den Nüssen im Mittelgrund liegt, sind die Nüsse im Vordergrund bereits raus aus dem Fokus. Der Hintergrund weist zudem eine sehr geringe Schärfentiefe auf. Das liegt an der Größe der Filmaufnahmefläche. Je größer die Aufnahmefläche, desto geringer die Schärfentiefe. Dementsprechend spielt bei Digital-Kameras also die Größe des Aufnahmechips eine Rolle. Achtet darauf beim Kauf!

*CCD-Sensoren sind lichtempfindliche elektronische Bauelemente, die auf dem inneren Photoeffekt beruhen. „CCD“ ist hierbei die Abkürzung des englischen charge-coupled device (dt. ‚ladungsgekoppeltes Bauteil‘), das im CCD-Sensor verwendet wird.
Die Schärfentiefe ist in vielen Bereichen der Fotografie ein wichtiges, effektvolles und tolles Gestaltungsmittel. Wenn ihr Brennweite, Blende und Gegenstandsweite richtig einsetzt, könnt ihr so wirklich den Fokus des Betrachters lenken.
Die beeinflussenden Faktoren – Blende, Entfernung zum Objekt und Brennweite – lassen sich hervorragend miteinander kombinieren. Aus diesem Grund solltet ihr den Umgang damit bewusst üben. Und auch der Umgang mit der Größe des Kamera-Sensors erfordert etwas Übung, um tolle Ergebnisse zu erhalten – die allerdings überzeugen dann umso mehr! Wirklich beeindruckende Unschärfe-Resultate erhaltet ihr mit Objektiven, die Blendenwerte von f/2,8 oder noch weniger gestatten.
Die besonders gelungenen Probeschüsse – und später dann die perfekt aufgesetzten Profibilder aus eigener Hand – könnt ihr dann mit uns garantiert günstig zum Beispiel auf ein Foto im Rahmen drucken und damit euer Heim nachhaltig verschönern.
Lust bekommen? Dann ran an den Apparat und losprobiert. Von nix kommt nix! Und im nächsten Teil beschäftigen wir uns damit, wie ihr natürliches und künstliches Licht perfekt für eure Zwecke einsetzt.
Wir lesen uns!
Euer Team von MEINFOTO